Anschreiben an Herrn Oberbürgermeister Thomas Geisel vom 13.07.2017

Schreiben an
Oberbürgermeister Thomas Geisel für die Landeshauptstadt Düsseldorf
Claudia Bender vom Schulamt für die Landeshauptstadt Düsseldorf
Bezirksbürgermeister Karsten Kunert
Stellv. Bezirksbürgermeister Marco Schmitz
und die Fraktionsvorsitzenden im Rat der Stadt Düsseldorf

„Gutenberg in Gerresheim“ – Elternbündnis für den Erhalt der Gutenberg Schule am Standort Diepenstraße in Gerresheim

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Geisel,
sehr geehrter Herr Bezirksbürgermeister Kunert,
sehr geehrte Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats,

wir sind das Elternbündnis „Gutenberg in Gerresheim“, das den Erhalt der Dependance der Gutenberg Schule am Standort Diepenstraße in Gerresheim fordert.

Überraschend hat die Elternschaft aufgrund einer Recherche einer engagierten Mutter nach einem Artikel in der Rheinischen Post („Erweiterung für Frank-Marc-Schule“ vom 30.06.2017) von der geplanten Schließung der Dependance der Gutenberg-Grundschule für die Neuanmeldungen ab Herbst 2017 erfahren. Die geplante Schließung ging aus einer auf mehrfache Nachfrage erhaltene Mail vom Schulverwaltungsamt vom 05.07.2017 hervor und gelangte über die privaten Nachrichtendienste an die betroffenen Eltern, die somit von der
Schließung eine Woche vor Beginn der Sommerferien erfuhren.

Zum Hintergrund: Wir haben bis vor drei Jahren im „unteren Gerresheim“ keine Grundschule gehabt. Im Herbst 2014 wurde bekannt, dass die Aloys-Odenthal-Schule vom oberen Gerresheim (Unter den Eichen, im Gebäude der Katholischen Grundschule) in das untere Gerresheim umzieht. Viele Eltern haben sich 2015 – trotz der breit kommunizierten Neueröffnung der Aloys-Odenthal-Schule auf der Diepenstraße – an der Gutenberg Schule in
Grafenberg (Grafenberger Allee) angemeldet, die mit ihrem Konzept weit über Grafenberg hinaus bekannt ist und auch uns überzeugt hat. Völlig überraschend und zur Freude der Elternschaft im Stadtteil hat die Gutenberg Schule einen Teilstandort auf der Diepenstraße eröffnet. Beide Schulen starteten also im Herbst 2015 parallel zueinander. Es kommen Kinder aus dem Gebiet Ostpark, Dreherstraße, Lohbachweg, Quellenbusch, Torfbruchstraße und Josef-Neuberger-Straße. Das Erfolgsmodell der Gutenberg Schule inklusive der qualitativ überragenden OGS-Betreuung und der verlässlichen Grundschule hat sich hier am Standort fortgesetzt. Für uns im unteren Gerresheim gehört die Gutenberg Schule inzwischen zu unserem Stadtteil.

Uns wurde zugesichert, dass diese Schule einen verlässlichen Standort aufbaut und dort verbleibt, solange die Anmeldezahlen die Schule tragen. Das ist der Fall. Im Herbst wird die neue erste Klasse wieder mit 29 Schülern starten. Das immer noch entstehende Neubaugebiet am Quellenbusch wird zahlreiche Familien mit schulpflichtigen Kindern nach Gerresheim als den wachsenden Stadtteil anziehen. Der Ausbau der Grundschulen im Stadtteil Grafenberg (Carl-Sonnenschein, Graf-Recke) löst nicht das Problem der Eltern in Gerresheim.

Wir haben uns bewusst für die Gutenberg Schule als eine Schule mit einem besonderen Profil entschieden und verstehen nicht, warum diese Schule nun gegen den Willen der Eltern und zukünftigen Eltern nach drei Jahrgangsstufen geschlossen werden soll. Uns wurde zugesagt, wir sollten die Zeit der Bauphase und der Container überstehen, und dann würden wir in das
Gebäude einziehen.

Die Kinder freuen sich auf den geplanten Umzug im Herbst von den Containern in das Gebäude und erfahren nun, dass ihre Schule für ihre jüngeren Geschwister geschlossen bleiben wird. Es ist für das Wohl der Kinder nicht schön, in einer „sterbenden“ Grundschule die Schullaufbahn zu beginnen. Unsere Kritikpunkte sind:

  • Was passiert mit rückgesetzten Kindern, die die erste Klasse bzw. zweite Klasse nicht schaffen?
  • In einer Schule müssen auch jüngere Kinder nachfolgen, um das Sozialverhalten der älteren Kinder im Umgang mit den jüngeren Jahrgängen zu üben.
  • Was passiert mit dem OGS-Personal, die mit Ansage nur noch wenige Jahre einen gesicherten Arbeitsplatz haben? Es wird zu für die Kinder einschneidenden Personalfluktuationen kommen.
  • Das OGS-Angebot kann in seiner Vielfältigkeit nicht mehr aufrechterhalten bleiben, da die Bildungsangebote klassenübergreifend angeboten werden.
  • Darf es den Eltern zugemutet werden, dass sie für ihre Geschwisterkinder entweder verschiedene Schulstandorte anfahren müssen, oder aber sie zu verschiedenen Grundschulen schicken?
  • Auch die Aufteilung der Geschwisterkinder in Gutenberg Schule und Aloys-Odenthal-Schule, um für Geschwisterkinder den gleichen Schulweg zu garantieren, würde allein dadurch zu Problemen führen, dass verschiedene bewegliche Ferientage oder Schließtage der OGS für die arbeitstätigen Eltern zu bewältigen sind.

Das Verhalten des Schulverwaltungsamtes ist für uns nicht nachvollziehbar und willkürlich. Offenbar sollte in einer Verschleierungsaktion die heimliche Schließung des Standorts über die Sommerferien passieren und der Widerstand der Eltern im Keim erstickt werden. So gab es sogar eine zunächst anderslautende Mail vom Schulverwaltungsamt (03.07.2017), in der
beschwichtigt wurde, „dass die Gutenberg Schule ihre Dependance an der Diepenstraße nicht aufgeben werde“. Das ist Verwaltung gegen die Bürger und nicht für die Bürger. Wir sind entsetzt über das augenscheinlich planlose und kurzfristige Verhalten und die Art der Kommunikation der Schulverwaltung. Die heutige Situation ist keine andere als die Situation vor drei Jahren, die die Eröffnung der Dependance der Gutenberg Schule zur Folge hatte. Im
Gegenteil, es sind und werden noch mehr Kinder im Stadtteil, die eine qualitativ hochwertige Schule fordern – wie zum Beispiel ihre jüngeren Geschwisterkinder. Wir möchten dem Grundsatz folgen „Kurze Beine, Kurze Wege“ und möchten unsere Kinder nicht am Hauptstandort zur Schule schicken oder – was in der Praxis wahrscheinlicher ist – fahren werden.

Das Schulverwaltungsamt verwaltet Sitzplätze, aber entscheidet nicht über Schulkonzepte. Wir befüllen die Gutenberg Schule und stärken damit die Schule, die sich ein Profil gegeben hat und somit auch dem unteren Teil von Gerresheim.

Wenn nicht die Gutenberg Schule als alleinige Schule am Standort bestehen soll, warum sollen nicht zwei Schulkonzepte am selben Standort möglich sein? Das hat die letzten drei Jahre funktioniert und wird in Zukunft funktionieren. Denn es sind beides städtische Grundschulen und die Eltern können aus den beiden Schulkonzepten im Sinne des von der Politik gewollten Qualitätswettbewerbs wählen. Es führt auch nicht zu Ungerechtigkeiten.
Denn die Schulplatzvergabe richtet sich in erster Linie nach der Entfernung zum Wohnort und hält damit allen Kindern das gleiche Recht vor.

Die Verwehrung der 4-Zügigkeit der Gutenberg Schule ist willkürlich, da sich die Voraussetzungen zur Gestattung in den letzten drei Jahren – bezogen auf den Standort im unteren Gerresheim – nicht verändert haben. Die Schließung der Dependance ist nicht nachvollziehbar, wenn die Schüleranmeldungen nach wie vor die notwendige Klassenstärke erreichen und die Entscheidung der Verwaltung für die Eröffnung der Dependance bewusst nach der
Verlegung der Aloys-Odenthal-Schule an die Diepenstraße getroffen wurde.

Wir laden Sie als Oberbürgermeister der Stadt und die Politik als Interessenvertreter für die Anliegen der Bürger ein, die Irritationen aus dem Weg zu räumen und mit einer nicht unbedeutenden Elternschaft die weitere Vorgehensweise zum Erhalt der Gutenberg Schule am Standort Diepenstraße zu besprechen. Wir würden uns über eine entsprechende Rückmeldung von Ihnen an die E-Mail-Adresse: dependance-kinder@gutenberg-in-gerresheim.de [Anm: Emailadresse hat sich geändert] bis zum 28. Juli freuen.

Uns wurde ein verlässlicher Teilstandort der Gutenberg Schule versprochen – und das fordern wir jetzt ein!

Mit freundlichen Grüßen

Elternbündnis „Gutenberg in Gerresheim“